Verletzungen durch Yoga

Aktualisiert: Juli 7

Die heilende Wirkung von Yoga ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Jedoch möchte ich in diesem Beitrag gerne über etwas schreiben, dass kein Yogi so gerne zugeben möchte. Diesmal geht es um die Verletzungsgefahr in der Yogapraxis. Denn wenn man nicht achtsam genug in seine Praxis geht, kann Yoga auch zu leichten bis doch massivere Verletzungen führen. Hört man nicht gerne, ist aber so.


Die häufigsten Verletzungen im Yoga (hier spreche ich von den Asanas, also den Körperübungen) betrifft die Gelenke, die Wirbelsäule, den Nacken, aber auch die Muskeln und Sehnen.


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Aber alles der Reihe nach. Ein Yogalehrer sollte immer Vorbild für seine Schüler sein und somit auch verletzungsfrei, denn wenn Verletzungen in der Praxis passieren, dann eigentlich nur wenn man selbst etwas falsch gemacht hat. Ich sehe das ein bisschen anders. Yogalehrer sind auch nur Menschen. So wie meine Wenigkeit. Fast schon wie bei einem Mantra, versuche ich in jeder meiner Stunden darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist auf den Körper zu hören und nicht über seine Grenzen zu schlagen um eben Verletzungen zu vermeiden. Ich wiederhole mich wirklich oft und gehe meinen Schülern sicher manchmal damit auf die Nerven, aber das mache ich nicht grundlos. In diesem Beitrag möchte ich darauf aufmerksam machen was passieren kann, wenn man nichtachtsam genug in seine Praxis geht. Und ja, auch mir als Yogalehrer, passiert es dann leider hin und wieder, dass mein Ego wieder mal überhand nimmt und über die Stränge schlägt. Und so sind mir im Laufe meiner Yogakarriere schon so manche "Achtsamkeitshopalas" passiert, die dann leider in der einen oder anderen Verletzung geendet haben.


Von Problemen in der Schulter durch übermäßiges und vor allem falsch ausgeführte Vinyasas, ein blockierte ISG, Schmerzen im unteren Rücken durch falsch ausgeführte Rückbeugen, Probleme mit dem Kniegelenk weil ich in Positionen gegangen bin, die meine Knie anatomisch nicht zulassen ich aber meinte das geht schon, und dann noch mein Highlight: ein Muskelfaserbänderriss im hinteren Oberschenkelmuskel, passiert beim gebundenen Dreieck (Baddha Trikonasana), begleitet von 2 Schnalzern. Instinktiv habe ich Gott sei Dank das Richtige gemacht und mich gleich auf ein richtig großes Coolbag gesetzt. Dann habe ich Dr. Google gefragt.


„Muskelverletzung Oberschenkel Yoga“. Und bekommen habe ich Ergebnisse von Fussball, Läufern und anderen Sportarten, aber Yoga kam nicht wirklich vor. Das hat mich nachdenklich gestimmt und ich habe mich gefragt warum dieses Thema anscheinend nicht gerne aufgegriffen wird. Ist es eine Egogeschichte, weil man nicht zugeben möchte, dass mich sich als Yogi und oder gar schon als Lehrer auch verletzten kann? Liegt es am Image oder möchte man einfach nicht dastehen als könne man seinen Beruf nicht?


Keine Ahnung, ich bin aber der Meinung, dass Fehler überall passieren, und es hat ja auch sein Gutes, denn aus Fehlern lernt man. Und genau das möchte ich ja auch weitergeben. Diejenigen die mich kennen, wissen, dass ich alle Übungen, die in meinen Stunden vorkommen, vorher selber ausprobiere, um zu wissen wie sich die Asana anfühlt, welche Muskeln und Gelenke bebraucht werden, worauf man achten soll und wo die Schwellen und Hindernisse sind.


Also möchte ich nun in diesem Bericht ein paar Tipps geben, worauf man in seiner Praxis achten sollte.


Wie also kann ich als vielleicht noch nicht so erfahrener Yogi erkennen, dass ich über meine Grenze gehe, bzw. wann es Zeit ist aus einer Übung zu kommen:


  • wenn der Muskel anfängt zu zucken

  • wenn die Atmung nicht mehr regelmäßig fließen kann

  • wenn aus einem ziehen ein zwicken oder stechen wird

  • wenn dir dein Yogalehrer eine Empfehlung gibt die Position zu verändern


Weitere Tipps:


  • ziehe dich NIEMALS in eine Position, arbeite mit deiner Atmung nicht mit deiner Kraft

  • überstrecke deine Gelenke nicht, versuche immer zumindest eine Mikrobeuge zu halten. Hier geht es vor allem um den Nacken, die Ellbogen und die Kniegelenke

  • achte auf deine Wirbelsäule, bist du in einer Rückbeuge, sollte diese erst im oberen Rücken, im Brustbereich passieren, nicht schon in der LWS. Sprich der untere Rücken bleibt in der Länge

  • bleibe bei dir, fang nicht an deine Nachbarn zu beobachten

  • bleib bei deinem Tempo, gib dir und deinem Körper Zeit in der Asana anzukommen

  • befindest du dich im Schulterstand, lass deinen Nacken ruhen, der Blick nach oben gerichtet - jede Drehung des Kopfes kann zu einer Verletzung in der Halswirbelsäule führen

  • wechsel nicht ruckartig zwischen Vor- und Rückbeugen. Gib der Wirbelsäule Zeit sich wieder aufzurichten, spür kurz nach und wechsle dann erst zur nächste Übung.

  • nimm dir die Freiheit, wann immer du es brauchst, die Asana zu entschärfen, bzw. eine Pause in Balasana einzulegen auch wenn die Anderen weitermachen. Es geht hier um deinen Körper!

  • verwende Hilfsmittel wie Blöcke, Bölster und Gurte, es hat schon Sinn warum es diese gibt

  • praktiziere ausschließlich für dich!


Aber was tun, wenn es doch passiert?


Am Besten ist natürlich du gehst zu einem Physiotherapeuten, der dir dabei hilft, mit gezielten Übungen, wieder fit zu werden. Oft genug habe ich versucht mich selbst zu therapieren, was meistens in die Hose gegangen ist, da ich keine Geduld hatte, was wiederum meinen Heilungsprozess immer weiter in die länge gezogen hat. Also bin ich auch hier schlauer geworden und lasse mir helfen. Ein Gespräch mit meinem Physio hat mir die Augen nun komplett geöffnet (ja man muss es immer von externen hören damit man es glaubt und annimmt). Wenn eine Verletzung frisch ist und fängst an sie zu ignorierieren, wird der Körper irgendwann einmal den Heilungsprozess einstellen, was zur Folge hat, dass dich eine Verletzung über eine sehr lange Zeit begleitet und das zahlt sich wirklich nicht aus.


Und noch etwas:


Lass dich nicht von den vielen jungen, gertenschlanken, und durchtrainierten Yogis, die sich in alle Himmelsrichtungen verbiegen, beirren. Du siehst nur das perfekte Bild, aber nicht wie es zu dem gekommen ist oder wie es ihnen vielleicht danach geht.


Mache dir bewusst, dass jeder Körperbau anders ist, auch deiner. Passe die Übungen so an, dass es sich für dich gut anfühlt. Bist du irgendwo unsicher was eine Übung betrifft, dann frage deinen Yogalehrer, gemeinsam werdet ihr einen Weg finden.


Wissen bereichert, auch wenn es manchmal unangenehm ist 😊


Herzlichst

Eure Claudia

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