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Die Wege des Yoga

Aktualisiert: 29. Sept 2018

Verschaffen wir uns zuerst einen kleinen Überblick über die Geschichte des Yoga (ja, es heißt DER YOGA):




Yoga ist eine aus Indien stammende, Jahrtausend alte philosophische Lehre, vermutlich das älteste Übungssystem der Welt. Zuerst wurden die Lehren des Yoga mündlich von den Rishis an auserwählte Schüler weiter gegeben. Rishis sind Meister, Seher die durch ständige Meditation in die Tiefen ihres Wesens getaucht sind um den Urgrund des Seins herauszufinden.


Der erste heilige Text, die Veden, bestehen zum größten Teil aus den Überlieferungen, dem Erfahrenen der Rishis. Veda bedeutet übersetzt Wissen. Niedergeschrieben wurden die Veden von Vyasa, man vermutet um 3227 vor Christus. Die Veden enthalten meist kurze Textgeschichten, ähnlich wie Mantren. Um 700 bis 500 v. Chr. Entstanden die Upanishaden, sie bilden den letzten und philosophischen Teil der Veden. Diese gelten als Grundlage für die yogische und hinduistische Philosophie.


In den Upanishaden findet man bereits „Anleitungen“ für Atemübungen, sowie Meditationen um das Zurückziehen der Sinne zu erlernen. Das Ziel ist „Eins“ mit seinem Bewusstsein zu werden, das streben nach Selbsterkenntnis. Dies war auch der Ursprung des Yoga.


Danach folgten die wichtigsten klassischen Yogaschriften, wie die Bhagavad Gita und das Yogasutra von Patanjali.


Kommen wir nun zu den Yoga Wegen, die klassischen indischen Yogaschriften beschreiben zunächst 4 dieser Wege:


Raja Yoga, der Königsweg des Yoga Jnana Yoga, Yoga des Wissens Karma-Yoga, Yoga des Handelns und Dienens Bhakti-Yoga, Yoga der Hingabe


etwas später folgten

Hatha Yoga, Yoga der Bemühung Kundalini Yoga, Yoga der Energie


1. Raja Yoga, der Yoga der Geistbeherrschung

Raja Yoga wird auch der Königsweg des Yoga genannt. Übersetzt bedeutet Raja König, Herrscher. Dieser königliche Weg setzt beim menschlichen Geist an. Wenn der Geist unruhig ist, die Gedanken trüb, werden wir vom wesentlichen abgelenkt. Um unsere Probleme und Leiden lösen zu können, müssen wir versuchen den Geist zu beherrschen. Durch das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist können wir in diese tiefe Ebene tauchen. Dies schaffen wir durch regelmäßige Meditation. Ziel ist es den Geist zu beherrschen. Die Lehre des Raja Yogas, finden wir in den Yoga Sutren von Patandjali.

In den ersten vier Sutren wird das Ziel schön beschrieben:


Nun wird der Yoga erklärt Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist Dann ruht der Wahrnehmende in seinem wahren Wesen In allen anderen Zuständen identifiziert sich der Wahrnehmende mit seinen Gedanken.


Wie erreiche ich das? Patanjalis Yoga Sutra wird auch der Acht-Gliedrige-Pfad genannt. Ich muss auf dem Pfad bleiben, darf ihn nicht überspringen um zum Ziel zu gelangen. Ständiges Üben und Bemühen, Disziplin, selbstloses Handeln, Selbststudium, sowie die Hingabe an Gott. Um dies ein bisschen besser verstehen zu können, schauen wir uns den Achtgliedrigen Pfad ein bisschen an:


Yama

ist der Umgang mit der Umwelt. Eine Art Verhaltenskodex. Gemeint ist wie gehe ich mit meinen Mitmenschen, den Tieren, der Natur um. Dies gilt sowohl in Taten, Worte und Gedanken.

Es gibt 5 dieser „Verhaltensregeln“


Die Gewaltlosigkeit, füge niemanden Leid zu sei Wahrhaftig, bleibe bei der Wahrheit nimm dir nichts was dir nicht gehört nimm nur das an, was angemessen ist


Niyama

hier geht es um die Auseinandersetzung mit mir selbst. Wie gehe ich mit mir um.

Auch bei den Niymas gibt es 5 Unterpunkte


die innerliche und äußerliche Reinheit bewahren, also nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Übe dich in Bescheidenheit und Zufriedenheit. Achte darauf deinen Körper gesund und fit zu halten Beobachte und hinterfrage diene Gedanken und Taten, sei dir selbst dein größter Lehrmeister Und zu guter Letzt die Hingabe an Gott, der Schöpfung. Gemeint ist sich einer Sache mit ganzem Herzen hinzugeben.


Asana

sind die Körperstellungen. Dies dient zur Vorbereitung für den bewussten Sitz in der Meditation. Asana heißt nämlich wörtlich übersetzt der Sitz. Erst später kamen die verschiedenen Hatha Yogastellungen hinzu.


Pranayama

hier geht es um Atemübungen. Auch hier gibt es verschiedenste Arten Pranayama auszuführen. Es geht um Disziplin und Körperbeherrschung. Ziel ist es, möglichst viel Prana (Lebensenergie) in den Körper zu leiten und zu lenken.


Pratyahara

Bedeutet das zurückziehen der Sinne. Es geht um die Beherrschung der Sinneswahrnehmung, das nach Innen lenken der Aufmerksamkeit.


Dharana

die Konzentration, die Fähigkeit unseren Geist auf einen Gegenstand auszurichten. Der Geist wird still und für die Meditation – Dhyana - vorbereitet


Dhyana

Die Meditation, die Versenkung. Gedanken spielen hier keine Rolle mehr. Man befindet sich ein einem zeitlosen Zustand. Und vielleicht wird dadurch irgendwann Samadhi erreicht.


Samadhi

das Überbewusstsein, die Erlösung und Erleuchtung. Es gibt keine Gedanken mehr, wir befinden uns in der absoluten Glückseligkeit.


2. Jnana Yoga – Yoga des Wissens, der Erkenntnis

Jnana Yoga beschäftigt sich mit dem intellektuellen und philosophischen Teil des Yoga. Das Wissen wurde in den Upanishaden, sowie später in der Vedanta niedergeschrieben. Die Kernfragen im Jnana Yoga sind: Was ist wirklich, was unwirklich, wer bin ich und was ist der Sinn des Lebens. Der Jnana Yoga strebt das Erkennen der tiefen Wahrheit an.

Durch das Studieren der Schriften, Diskussionen, wird versucht die Kernfragen des Lebens mit Intellekt zu erklären. Es geht darum tief in die Essenz einzutauchen, in den Urgrund des Seins. JnanaYoga wird als ein sehr direkter, sehr schneller Weg zur Befreiung bezeichnet, allerdings auch als der steilste und schwierigste.


3. Bhakti-Yoga Yoga der Liebe und Hingabe

Bei Bhakti Yoga handelt es sich um eine besonders spirituelle Form des Yoga. Es geht um die Hingabe an das Göttlich in und um uns. Man widmet sich Gott und seiner innerlichen Verwirklichung. Die Praktiken sind Gebete, Gesänge und Rituale. Bhakti wird als der schnellste Weg zur Erleuchtung bezeichnet.


4. Karma-Yoga Yoga der Taten und des Handelns

Über Karma Yoga wurde erstmals in der Bhagavad Gita vor über zweitausend Jahren geschrieben. Karma bedeutet wörtlich übersetzt: die Handlung. Im Mittelpunkt steht unser tägliches Handeln. In Worten, Taten und Gedanken. Gemeint ist damit das selbstloses Dienen ohne auf die Früchte der Handlung warten, also keine Belohnung erwarten. Das Schicksal als Chance zu ergreifen. Jede Absicht ist eine Handlung. Karma Yoga ist der Yoga des Alltages.


5. Hatha Yoga - der Weg der Anstrengung und der Bemühung

Der wohl bekannteste Yoga Weg. Hatha Yoga wird oft als Teil des Raja-Yogas betrachtet. Der Fokus liegt im Hatha Yoga auf der Harmonisierung des Körpers, sowie der Grundenergien. Dies kann durch das Ausüben von Asanas, Pranayamas und Meditationstechniken erzielt werden. Körper, Atmung und Geist in Einklang bringen. Hatha Yoga ist der Weg der Anstrengung und der Bemühung.


6. Kundalini Yoga – Yoga der Energie

Dieser Yoga Weg beschäftigt sich mit den Energiekörpern. Kundalini bedeutet wörtlich ‚die Eingerollte, die schlafende Schlangenkraft. Gemeint ist damit die Kundalini Energie, die im Muladhara Chakra sitzt. Durch spezielle Praktiken kann die Kundalini erweckt werden. Ziel ist es die Energie vollends zu erwecken und in Sushumna Nadi aufsteigen zu lassen. Erreicht sie das oberste Chakra, kann man höchstes Glück erfahren.


Seit dem der Yoga im Westen richtig angekommen ist, haben sich viele weitere Yogarichtungen entwickelt. Angefangen von Acro, Aerial, Anusara, Bikram, Forest, Hormon, Iyengar, Jivamukti, Luna, Prana, Sivanananda, Therapeutisches, Hormon bis hin zum Vinyasa Yoga, und noch so viel mehr. Die Auswahl ist enorm. Ich bin mir sicher auch du wirst deinen Stil finden und lieben lernen.


Wenn du tiefer in dieses Thema tauchen willst, findest du in einem älteren Beitrag “Willkommen im Jungle der Yogabücher” ein paar Büchertipps


Alles Liebe Eure CJ Yoga


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